Seit dem Umzug in eine neue Wohnung im Februar 2005 steht mir ein ca. 3x4 Meter großer Raum als "Labor" zur Verfügung, der für das Hobby genutzt wird. Da es sich um einen Durchgangsraum in die Waschküche handelt, und ich keinen zusätzlichen Bastelplatz im Rest der Wohnung aushandeln konnte, kann nicht der gesamte Platz des Raumes für eine Anlage genutzt werden. Aufgrund der Lage der Türen ergibt sich eine vernünftig nutzbare Anlagenfläche von ca. 1,2m x 4,1m, wobei ein Ende der Anlage schmaler ist, da hier eine der beiden Türen den Platz beim öffnen beansprucht. Der Keller ist ausgebaut, gefliest, nur leider ohne Heizung und im Sommer muss auf alle Fälle ein Luftentfeuchter her. In der o.g. Waschküche hinter dem Labor ist eine weitere Arbeitsplatte eingebaut, sodass die Arbeiten im eigentlichen Anlagenraum auf den Kleinkram beschränkt werden können.
Die vorhandenen Schränke werden entfernt oder umgestellt und unter die Decke werden ungefähr auf Höhe der Anlagenkante mehrere Leuchtstoffröhren montiert, damit die Anlage später vernünftig ausgeleuchtet ist. Zur Vorderseite hin werden die Lampen bei Gelegenheit mit einer Sichtblende versehen.
Der Zeitraum in dem die Anlage gebaut wird soll die Zeit vom Anfang der 1960er Jahre bis ca. 1968 Darstellen (also die Epoche IIIb). Ich habe zwar auch eine leichte Affinität zur Epoche IV, diese kommt modellbahnerisch aber deswegen nicht in Frage, weil die Platzverhältnisse nur den Bau eines kleinen Bahnhofs einer Nebenbahn zulassen und damit auch in der Epoche IV ein abwechslungsreicher Fahrzeugpark zum Einsatz kommen kann, müsste dieser Bahnhof meines Erachtens eine Oberleitung erhalten - damit laufe ich aber Gefahr, dass die Anlage überladen aussehen wird, zudem scheint es rech schwierig zu sein eine vernünftig aussehende Oberleitung zu bauen: Die wenigsten Anlagen die ich bis heute mit Oberleitung gesehen habe, haben wir wirklich gefallen. Und zu guter letzt: Die Anlage soll in 3 Teile zerlegbar sein, ein weiterer Punkt der gegen eine Oberleitung spricht.
Also ein Nebenbahn-Bahnhof in der Epoche 3. Die nächste Überlegung war nun, wie der zur Verfügung stehende Platz am besten genutzt werden kann. Bei einem Durchgangsbahnhof gehen auf jeder Seite vorm Zug schon mal mindestens 50cm Platz für den Gleisbogen sowie der Platz für die Weichen weg. Also wäre es optimal, wenn man auf der einen Seite auf den Gleisbogen und möglichst viele Weichen verzichten kann - somit sind wir beim Thema Kopfbahnhof angekommen. Das Thema Kopfbahnhof für sich ist schon in gewissem Maße ein Garant für recht umfangreiche Rangierarbeiten (und das ist Gut), besser wird es noch, wenn einige Industrieanschlüsse sowie umfangreiche Verladeanlagen für Güter vorhanden sind. Und wenn man den Kopfbahnhof letztendlich nicht als End- sondern als Spitzkehrenbahnhof konzipiert, können auch mal ein paar Zugkreuzungen stattfinden...
Nachdem das Thema feststand, ging es an die ersten Planungen. Die MIBA hatte zum Zeitpunkt des Planungsbeginns seit einiger Zeit eine Serie mit dem Titel "Wenn's nicht mehr weiter geht", eine Serie über Nebenbahn- Endbahnhöfe, aus der zunächst einige Anregungen übernommen werden konnten. Weiterhin habe ich mir diverse Bücher mit verschiedensten Gleisplänen und Anleitungen zur Anlagenplanung zugelegt sowie im Internet recherchiert. Die nutzbare Fläche liegt bei ca. 4,1m x 1,2m, sodass recht schnell klar wurde, dass die Gleisanlagen, sollen sie denn halbwegs glaubhaft wirken, nicht sehr üppig ausfallen können. So entstanden mehrere Pläne, von denen die meisten aber nur kurze Zeit und mehr oder weniger überzeugen konnten.
Geplant wurde zunächst mit einer Testversion von Wintrack, letztendlich waren mir fast 100 Euro für eine Planungssoftware, die ich nur für einen überschaubaren Zeitraum nutze zu teuer, sodass ich auf WinRail umgestiegen bin. Und ganz nebenbei bemerkt: Der Programmautor von WinRail, Herr Blumert, ist sehr engagiert: Sowohl bei Erstellung spezieller Gleisbibliotheken als auch bei der Suche nach einem kleinen Fehler bei der Darstellung kann ich nur bestes von der Betreuung berichten.
Die Anlage wurde so geplant, dass sie in 3 Teile zerlegt werden kann: zwei 1,5m lange Segmente und ein 1,2m langes Segment ergeben später die Anlage. So ist gewährleistet, dass die Anlage einen Umzug unbeschadet überstehen wird (was zwar in naher Zukunft nicht geplant ist, aber man kann ja nie wissen). Bei der Planung musste darauf geachtet werden, dass keine Weichen mitten auf den Segmentübergängen liegen.
Aber genug der Worte, hier eine handverlesene Auswahl an Gleisplänen:
Erster Versuch: Der Kopfbahnhof (hier noch als Endbahnhof einer eingleisigen Strecke konzipiert) etwas im Hintergrund liegend. Im Vordergrund sollte ursprünglich noch eine Paradestrecke entstehen. Leztendlich wurde der Plan aufgrund der Überladung aber vor der Fertigstellung verworfen, er hat letztendlich dazu gedient, mir deutlich zu machen, dass eine Paradestrecke grundsätzlich nicht eingeplant werden kann.
Zweiter Plan: Der Kopfbahnhof liegt diagonal auf der Fläche. Verplant wurden 15° Weichen von Tillig. Der Plan wirkt wieder überladen: Die Gleisanlagen sind für die dargestellten Güteranlagen zu umfangreich. Der Bahnhof ist als Spitzkehrenbahnhof konzipiert und es wurde ein kleines BW angegliedert.
Dritter Plan: Der Kopfbahnhof wieder als Endbahnhof. Nur 1 Bahnsteig, dafür umfangreiche Güteranlagen. Direkt nach dem Tunnel zweigt ein Industrieanschluss der diverse Industriebetriebe entlang des Flusses versorgt, somit wäre der Umfang der Güteranlagen gerechtfertigt. Geplant wurde mit Tillig H0-Elite und 15° Weichen. Problem bei dem Industrieanschluss: Es gibt kein Ausziehgleis, Theoretisch müssen Züge die vom Industriegleis kommen bis in den Tunnel fahren und dort die Richtung ändern.
Vierter Plan: Die Richtung ist gleichbleibend: Recht bescheidene Anlagen für den Personenverkehr mit zwei Bahnsteigen und umfangreiche für den Güterverkehr. Vier Verladebereiche sowie ein Übergabebereich einer Werkbahn (Gleis 6 und 7) und ein kleines BW. Letztendlich störend sind die 15° Weichen - der Winkel ist zu steil, allerdings muss der Umfang der Gleisanlagen bei flacheren Weichenwinkeln deutlich reduziert werden.
Soviel ich auch geplant habe, letztendlich habe ich "meinen" Plan auf der Internetseite http://lokalbahn-reminiszenzen.de/ von Thomas Englich gefunden. Unter dem Menüpunkt "WEG Gomaringen" findet sich am Ende der Seite die Vorlage die ich für den unten zu sehenden Plan verwendet habe. Zunächst habe ich den Plan ziemlich genau mit 11° Weichen und dem Tillig-System nachkonstruiert.
Die Gleisanlagen sind hier bereits deutlich reduziert, trotzdem sind alle Vorgaben erfüllt: Ein Kopfbahnhof mit der Funktion als Spitzkehrenbahnhof, 5 Werksanschlüsse bzw. Bereiche die der Güterabfertigung dienen, schlanke Weichen gepaart mit Bahnsteiglängen von ca. 1,5m.
Nachdem klar war, dass sich die Vorgaben umsetzen lassen wurde der Plan mit WinRail auf die Grundfläche übertragen. Hierbei galt es folgendes zusätzlich umzusetzen: Die 11° Weichen von Tillig wurden durch 10° Weichen von Weller ersetzt. Da Weller zur Zeit nur Weichen anbietet, sind keine Kreuzungen im richtigen Winkel verfügbar, die Gleise sind im Bereich der Einfahrt einfach übereinander gezeichnet - hier ist auch der Schwachpunkt des Gleisplans, denn ob ich eine DKW komplett selber bauen kann, muss ich wohl erst herausfinden.
Die beiden Ausfahrgleise bieten kurz nach den Tunneleinfahrten die Möglichkeit eines Gleiswechsels und führen im Anlagenhintergrund über eine Rampe zum einem Gleiswendel und dem ca. 20cm unter der Oberkante liegenden Schattenbahnhof. Hier gibt es sowohl Durchfahr- als auch Stumpfgleise, der gesamte nicht sichtbare Bereich besteht aus Tillig Elite Gleismaterial. Das etwas schief wirkende Durchgangsgleis ist im Übrigen kein Planungsfehler, sondern entsteht durch die Rücksichtnahme auf die Trennstellen der Segmente...
Zu guter letzt der gesamte Plan in der 3D-Ansicht mit eingeblendeten Spanten bzw. einmal mit einer groben Landschaftsdarstellung. Im Bereich des Schattenbahnhofs sind keine Aussparungen für die Gleise zu sehen: Diese mit WinRail zu zeichnen ist mir noch nicht gelungen, es sollte für den Betrachter aber nachvollziehbar sein wie ich es mir gedacht habe.
Bei den Plänen handelt es sich um die jeweils erste Ausführung. Während ich die beim Bau notwendigen Änderungen bei den beiden vorangegangenen Plänen eingearbeitet habe, habe ich es mir bei diesen beiden Plänen gespart.